Sprittung Warentest

Pilsner Urquell

Produktfoto
Lügenbaron
Gesamtnote: +1+0+0+0+0
Zieh dich warm an, Brinkhoff's, es ist ein neuer Sheriff in der Stadt...
Design: +1+1+0+0+0
Vertrauenserweckend, heuchlerisch.
Geruch: +1+1+0+0+0
Könnte Bier sein. Trink es!
Geschmack: +1+0+0+0+0
Idiot! Wieso trinkst du den Mist?
Abgang: +0+0+0+0+0
WAS ZUM?!!?!
Schädel: -----
Konnte und WILL ich nicht bewerten, bah!
Preis-Leistungs-Verhältnis: +0+0+0+0+0
Ohne den Preis noch im Kopf zu haben: Schlecht!

Fakten

Spaß: 4,4%, lachhaft
Preis ca.: zu teuer
Geschmack: wäre schön gewesen
Brauerei: Pilsner Urquell, a.s., U Prazdroje 7, 304 97 Pilsen, Tschechische Republik

Testbericht

Eines schlechten Tages lachte mich dieses Gebräu im Rewe-Bierregal an. Probier mal wieder was Neues, dachte ich mir. "Pilsner Urquell", hm, das klingt doch irgendwie freundlich. Obwohl es mit dem aufgedruckten Siegel eigentlich eher wie eine verkappte Weinflasche aussieht, ließ ich mich vom Rest der Verpackung blenden. Wappen, Siegel, alles deutete auf traditionsbewusste Bierkönner hin. Der Begleitroman auf der Rückseite liest sich wie die Schöpfungsgeschichte des Gerstensafts: "Vor 1842 war Bier häufig dunkel und trüb, bis unser visionärer Braumeister in Pilsen das weltweit erste goldfarbene Bier braute. Diesem revolutionären Durchbruch verdanken wir bla bla bla...". "Das echte Original", "The original Pilsner", ach wirklich? Na, das muss ja das verflucht nochmal beste Pils sein, das ich meiner Leber je gegönnt habe. "Brewed in Plzen, Czech", hm... Etwas skeptisch und auch traurig, dass meine Lieblingsbiersorte, das Pils, anscheinend nicht im Land des deutschen Reinheitsgebots erfunden wurde, nahm ich den Verräter mit.
Fest überzeugt davon, dass "Plzen" niemals ein Wort sein kann, unterzog ich die Flasche zuhause einer genaueren Analyse. Da stach mir in die Augen, was mir im Laden entgangen war: Hinter den riesigen Logos, Wappen und "Ich bin das Original aus Plzen"-Sprüchen las ich im Kleingedruckten auf der Rückseite: "Alc 4,4% Vol". FUCK! Wie konnte ich nur auf dieses Luffi-Bier reinfallen? Dieser falsche Fuffziger, dieser Betrüger im verführerischen Gewand... FUCK! Es sei noch ein weiteres schlechtes Omen erwähnt: Nachdem die Kassiererin die Sixpacks des Grauens eingescannt hatte, waren ihre Hände pechschwarz. Ob die Flaschen im Regal eingestaubt waren, oder ob die so dreckig ausgeliefert werden, ich weiß es nicht. War mir in dem Moment auch egal, die Schadenfreude überwog und ich wäre fast geneigt dem Pilsner Urquell für diese Kassiererin-Einschmier-Nummer einen Pluspunkt zu spendieren. Aber das wäre unprofessionell und nicht objektiv, passt also nicht auf diese Seite.
Kommen wir nach dieser kurzen Einleitung zu des Pudels Kern: Wie schmeckt denn nun diese Krone der Braukunst, brewed in Plzen? Nach dem Öffnen verbreitet das Urquell einen eigenartigen Geruch. Nicht sehr einladend, aber leider auch nicht abschreckend genug. Werden schon keine Mottenkugeln drin sein, dachte ich mir und begang den ersten Fehler. Was da meine Geschmacksknospen penetrierte schmeckte wie eine Mischung aus Sumpfwasser und... Tod. Das war ja gar nicht mal so lecker, dachte ich mir, also schnell runter damit. Fehler Nr. 2. Schon während der Tod langsam mit seinem Sensebeil die Speiseröhre entlangkratzt ahnt man, dass einem dieses Bier noch länger den Spaß verderben wird. Und tatsächlich, so einen fiesen Nachgeschmack hat mir noch kein Bier gegönnt. Bei jedem Aufstoßen hat man den Eindruck, der Tod fühlt sich im Magen nicht wohl und möchte wieder heraus, denn er verbreitet auch Minuten nach dem Runterschlucken noch Angst und Schrecken auf allen inneren Organen, die irgendwie für Geschmack und Geruch zuständig sind. Widerlich. Nach zwei Flaschen gab ich auf und stieg auf edles Wicküler um, welches uns ein sehr netter Mensch geschenkt hatte. Vermutlich für Anlässe wie diesen! Gepriesen sei der Herr, das Wicküler vertrieb jeden Plzen-Nachgeschmack und schmetterte ihn mit seinem eigenen würzig-herben, lecker-frischen Geschmack nieder. Außerdem - der Wortwitz sei noch gestattet - lag das Wicküler schon länger im Kühlschrank, das Wicküler war also kühler, tätää! Außerdem waren das wieder richtige 0,5er-Männerflaschen, herrlich. Da war aller Ärger vergessen und... Ups, ich wollte ja das Pilsner Urquell testen.
Ich gab ihm an einem späteren Sprittwoch eine zweite Chance bei optimaler Frostkühlung. Doch auch dieses Mal wurde ich bitter enttäuscht. Nach vorsichtigem Schnuppern an der ersten Flasche wusste ich wieder, warum ich dieses Bier besser meiden sollte wie der Teufel das Weihwasser. Ich bat Gasper, die restlichen Flaschen für mich zu leeren. Der nahm dankend an und war gar der Meinung, dass dieses Zeug doch ganz lecker sei. Ob er das ernst meinte oder vielmehr der alte Grundsatz vom geschenkten Gaul mit dem Maul die tragende Rolle spielte, keine Ahnung. Ich war jedenfalls froh, als meine Pilsner-Vorräte endlich erschöpft waren.
Fazit: Dieses "Bier" wühlte mein Brinkhoff's-Trauma wieder auf. Einen Punkt gibt's trotzdem - weil Gasper es trinken konnte und ich es nicht im Klo entsorgen musste...
[sk]

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