Beim Star Crash - Gucken wurde uns klar: Die wirklich guten (sprittwochkompatiblen) Filme gibt es nur auf VHS-Kassette, nicht auf dem "Zukunftsmedium" DVD. Die legendäre VHS-Kassette, quasi das Vinyl der Videobranche! Es wird also allmählich Zeit, die Vor- und Nachteile beider Systeme ehrlich und objektiv abzuwägen.
| Bewertungskriterium |  |  |
| Bildqualität: | Bestechende Bildschärfe, atemberaubende Farbtreue. Dieses Medium ist definitiv zu gut für den Fernseher! | Eher der Vintage-Look. Besonders auf älteren Kassetten dominiert ein tiefer Rotstich das Bild, einige Videorekorder erzeugen vollautomatische Schatteneffekte - gerne auch nur von ausgewählten Farben. |
| Tonqualität: | Kristallklarer Digitalklang auf 28 Kanälen gleichzeitig. | Echter Analogklang, echt scheußliches Bandrauschen. Stereoklang muss nach wie vor ein ziemlich aufwendiges und kostenerhöhendes Feature sein, anders sind die selbst im 21. Jahrhundert weit verbreiteten Mono-Geräte kaum zu erklären. |
| Vorhandenes Filmmaterial: | neumodischer Retortenfilmkommerzkack (aber z.B. auch Ragman!) | wahre Klassiker à la Star Crash |
| Special Features: | Zuschaltbare Untertitel, verschiedene Kamerawinkel, mehrere Sprachen auf einer DVD, Menüs, Bildergalerien, Trailer, rausgeschnittene Szenen, ... | Trailer, coole "Liebe Videofreunde, sprechen Sie mit Ihren Kindern über Altersfreigaben" - Vorspänne. |
| Kapazität (Länge von was da drauf passt): | Ein durchschnittlicher Film mit 90 - 120 Minuten passt gut drauf. Alles, was darüber liegt, geht auf Kosten der Bitrate, also der Qualität, und sollte deshalb auf mehrere DVDs verteilt werden. | 4 Stunden sind Standard! Genug Platz für Extramaterial jeglicher Art, aber irgendwie ist sowas auf VHS-Kassetten nicht sehr verbreitet. |
| Formatwirrwarr: | DVD+, DVD-, DVD+RW, DVD-RW... Wer soll denn da noch durchblicken? | VHS ist VHS! Die Hersteller versuchen zwar, dem Kunden mit Bezeichnungen wie Super-Hifi-Power-Longlife-Daily-VHS mehr Kohle aus dem Allerwertesten zu leiern, aber technisch ist es doch alles der gleiche Brei: Ein langes, dünnes Magnetband, das an einem Lesekopf vorbeigezogen wird. Nix mit verschiedenen Formaten, fuck you! |
| Preis: | Oh oh. Für wahre Kinokassenknüller werden auch schon mal gerne 40 Euro und mehr verlangt, und seltsamerweise auch gezahlt! | Niemand mag VHS! Die Kassetten werden derzeit verramscht als wenn es kein Morgen gäbe. Wer auf der Suche nach wirklich schlechten Filmen ist, der wird für wenige Euro fündig. Sei es am Grabbeltisch bei Saturn (oder Karstadt oder Berlet oder oder oder), oder bei eBay, wo ahnungslose Verkäufer wahre Perlen der Filmgeschichte für schmales Geld verticken. |
| Zugriffsbeschränkungen: | Benutzergängelung mit hirnverbrannten "Ländercodes". | Keine! |
| Schreibschutz: | Endgültig. Einzige Ausnahme: Die RW-DVDs. Aber ansonsten gilt für Selbstgebranntes oder Gekauftes: Keine Chance, den Inhalt je wieder zu überschreiben. | Eine kleine Plastiklasche zum Rausbrechen. Vorteil: Ändert sich irgendwann der Filmgeschmack, kann man den Schreibschutz mit einem simplen Streifen Tesafilm wieder rückgängig machen. So lassen sich sogar Kaufkassetten in Leerkassetten umwandeln! |
| Auftretende Bildfehler: | Grell leuchtende Farbverfälschungen, grobe Legoklötzchen im Bild, passiert aber eigentlich alles eher selten. | Satellitenempfangmäßige "Fische" im Bild, Streifen, Ruckler, Springer, flackernde Krisseleien am oberen oder unteren Bildrand, es gibt eigentlich nichts, was es hier nicht gibt. |
| Unterhaltungsfaktor bei Fehlerbekämpfung: | Gering. Geht oder geht nicht, das ist meist die Devise. Maximal ein hilfloses Hämmern auf das Gerät. | Hoch. Vom Sezieren und Durchpusten der Kassette und des Videorekorders, über verzweifelte Versuche, die Spurlage zu korrigieren, bis zu in das Gerät gesteckten Utensilien, um irgendwelchen mechanischen Teilen Halt zu verleihen, hat hier jeder immer noch einen weiteren glorreichen Tip parat. Meist läuft's auf ein sehr aggressives "Auf das Gerät einschlagen" hinaus, bei dem mit einem Gewaltpotential gewerkelt wird, das sich bei den modernen, empfindlichen DVD-Playern kaum jemand trauen würde. |
| Schaden, den ein defektes Abspielgerät anrichten kann: | Gering. Angeblich sind schon DVDs in ihren Playern geplatzt, aber das dürfte wohl die krasse Ausnahme sein. Das größte Risiko dürfte wohl eine sich nicht mehr öffnende Schublade sein, aber dabei wird die DVD selbst ja nicht beschädigt... | Frisst Kassetten! Von sichbaren Furchen, die ein kaputter Videorekorder in das Band reißt bis hin zu durch Bandsalat verknoteten Bändern ist eigentlich alles möglich. Kaputte Videorekorder sind urböse und machen keine Gefangenen! |
| Reinigung des Abspielgerätes: | Einfach. Spezial-CD/DVD mit flippiger Bürste reintun, 20 Sekunden Fahrstuhlmusik hören, fertig. | Fuckelig, aggressiv. Erst muss die Reinigungskassette an ihren diversen G-Punkten mit Reinigungsflüssigkeit beträufelt werden, dann scheuert sie mit ihrem Filzband den halben Lesekopf weg. |
| Reinigung des Mediums: | Nerv, nerv, nerv.... "Aber bitte nicht mit aggressiven Reinigern", "Bitte mit nem fusselfreien Tuch", "Bitte immer von innen nach außen wischen". Sehr anspruchsvoll, zerkratzt leicht bei der Reinigung. | Muss nicht gereinigt werden! Dass Band ist in der Kassette gut geschützt vor Umwelteinflüssen wie Staub. Verkratzen kann man da im Normalfall auch nichts. |
| Design des Mediums: | Auf der Oberseite komplett bedruckbar! Wenn man die Hülle aufmacht und auf der DVD lacht einen Sammy Curr an, dann weiß man die Vorteile der DVD wieder zu schätzen! | So wenig Design auf so viel Fläche! Meist gibt's nur einen kleinen Aufkleber mit ner billigen Nadeldruckerbeschriftung auf der Kassettenoberseite. Nix bunt, nix Artwork... |
| Verpackung: | Neben vielen limitierten Boxsets und sonstigen Hüllenvariationen dominiert natürlich die Standard-DVD-Hülle: Ein halbwegs robustes Plastikgehäuse mit genug Platz für ein anständiges Booklet. Auf dieses wird zwar gerne verzichtet, aber zumindest ist es systemseitig fest eingeplant. Doch auch ohne Booklet gibt's auf der Plastikbox genug Spielraum für die Hüllendesigner, sofern das denn ihre wahre Berufsbezeichnung ist. | Die Standardhüllen bei Leerkassetten sind kompakte Pappschuber, bei Kaufkassetten aufklappbare Plastikhüllen. Beide neigen im Laufe der Zeit dazu, kaputtzubröseln. Booklets sind eher selten, PS: ich kann mich jetzt spontan an kein einziges erinnern. Ansonsten geht die klassische Kaufkassettenhülle designtechnisch in Ordnung. |
| Handhabung: | Irgendwie fitzelig. Die DVD aus der Hülle zu kriegen, ist mitunter schon nicht ganz leicht. Dann muss man am Gerät irgendein Fitzelknöpfchen suchen, um die Schublade aufzukriegen. Nein, erstmal muss man das Gerät selber suchen, die Dinger sind ja mittlerweile fast so flach wie die DVDs selbst! Hat man die DVD irgendwie ins Gerät gezaubert, startet die nächste Suchaktion: Ohne Fernbedienung lässt sich manch ein Gerät gar nicht anständig bedienen, und für die Tasten auf selbiger braucht man dann oft noch ne Lupe. | Auch im Suff sehr einfach: Kassette aus der Hülle nehmen, irgendwo in einen passenden Schlitz unterhalb des Fernsehers stecken und mit den Wurstfingern die überdimensionale Play-Taste begrabbeln. |
| Bedienungskomfort: | Bequeme Kapitelanwahl, Spulen mitunter aber zu ruckelig. Und ob es wirklich sinnvoll ist, einen Film mit 32-facher Geschwindigkeit durchzureiten? | Filme sind zum Gucken da! Reinlegen, Play, Ende, Stop, zurückspulen. Alle notwendigen Funktionen werden ausreichend erfüllt. |
| Robustheit: | Die absolute Mimose unter den Videomedien. Empfindlich gegen Kratzer, Sonneneinstrahlung und Stürze aus geringer Höhe. Zerspringt bei ungeschicktem Aufprall in tausend klitzekleine Teilchen. | Sehr robust. Überlebt auch härtere Stürze aus luftiger Höhe ohne nennenswerte Beschädigungen. |
| Verletzungsgefahr: | Siehe Robustheit: Sollte sie erstmal zerspringen, kommt die DVD einer Rohrbombe gleich. | Gering. Die VHS-Kassette an sich ist ein dermaßen klobiges Gerät, da kann gar nichts weh tun. Es gibt keine spitzen Teile, nichts zum Verschlucken... Wieder mal erweist sich die VHS-Kassette als DAS Medium für Grobmotoriker und Alkoholiker. |