Zunächst mal vorweg: es gibt sooooo viel zu erzählen, soooo unglaublich viel, daß der treue Schreiber dieser Zeilen vermutlich das meiste vergißt. Aber egal, denn es lohnt sich weiterzulesen! Ich hoffe, daß auch Sprittokolle aus Arnsberger Sicht zum Zuge kommen, denn nur so kann man sich des Ausmaßes eines sprittzigen Abenteuerwochenendes bewußt werden.
Die Vorbereitung:Aber zunächst fing die Unternehmung harmlos an. Im Vorfeld hatten sich Scheiwe, Imig und meine Wenigkeit mit den wichtigsten Grundnahrungsmitteln (Bier, Bockwürstchen, Bier, Toast, Ravioli und Bier) bestückt, wobei der angenehme Effekt des Einmaleins auftrat, und zwar bei der von unserem Charme beschwipsten Verkäuferin. Wir kauften nämlich verwirrenderweise 3 Paletten Hansa in Probiergröße (0,3 l) sowie eine weitere Hansapalette in Standardversion (0,5 l), die auch den Beinamen Bonuspalette erhielt. Egal, auf jeden Fall dackeln wir da so mit unserem Bier zur Kasse, da schwant der armen Kassiererin auch schon: "Oh, oh, Kopfrechnen! Gehirnakrobatik! Verschiedene Biergrößen! Und diese Prachtkerle, die das Zeug kaufen / saufen wollen! Ohne mich! Ich klinke mich mal eben aus! Dumdidum..." Auf jeden Fall versuchte sie dennoch krampfhaft, 3 mal 24 Dosen zu rechnen. Imig stammelte sofort drauflos: "Das sind doch 24, 48, 52, ne, Moment, 48? Ne? 48?" Blablabla, er laberte noch, da hatte unsere junge Gottverkäuferin auch schon 48 eingetippt und vertickte uns zu diesem äußerst freundlichen Kurs satte 72 lecker-leckere Hansadosen, womit das Zeug dann im Endeffekt noch billiger war als Karlsquell... Natürlich war es ein neues Festival, also brauchte ich wie immer noch einen neuen Stuhl, da Diebstahl und Kieslers Wanst in Verbindung mit Imigs Agilität die Ausnutzung meiner bisherigen Klappstühle auf ein nicht erträgliches Minimum reduzierten. Beim Dänischen Bettenlager wurde mein suchendes Herz fündig: da stand er, der Stuhl der Stühle, ein Wunderding, ein Zauberstuhl, ein Stuhl, so maskulin und prall vor Genialität und strotzender Pracht, daß er selbst die Emotionen der bereits längst bestuhlten Herren Imig und Scheiwe neckte. Maskulin, weil die Erfinder ihm gleich zwei Getränkehalter (!!!) in die Wiege legten, genial, weil er sich kinderleicht zusammenklappen und in eine mitgelieferte Tragetasche stecken läßt und strotzend prächtig, weil, na ja, weil er einfach bombig aussieht. Er guckt einen an mit seinen sehnsuchtsvollen Getränkehalteröffnungen und ruft: "Hier bin ich, Meister! Wo ist dein Po? Steck dein Bier in mich!" Also knapp 10 Euro für das Ding hingeblättert (jeder von uns hat jetzt einen - was ist mit DIR?) und ab nach Hause, noch ein paar letzte Male in gefederten Betten nächtigen, Bier kühlen, Vorfreude hegen.
Sprittwoch:Am Sprittwoch steht dann beinahe pünktlich um 17 Uhr Imig auf der Matte; frisch geduscht schwitze ich das erste Mal bereits wieder wie ein Schwein, als wir meine Klamotten und das Bier bei schwüler Hitze zu Imigs Auto transportieren. Scheiwe ist das alles egal, er sitzt unbeeindruckt in seiner Bude und ist davon überzeugt, daß wir sieben Uhr vereinbart hatten. Hatten wir aber nicht. Wäre ich nicht todesmutig um viertel vor fünf zu seiner Tür galoppiert und hätte ihm angetragen, daß Imig gleich vorbeikommt, wäre der Scheiwenjens sogar noch zum Schwimmen gefahren! Aber das habe ich ihm gründlich und pflichtbewußt versaut. Um sechs Uhr zirka kann es dann endlich losgehen, aber es passiert nicht viel. Wir machen dumme Sprüche und Witze und sehen zu gepflegter Gitarrenmusik die Autobahn an uns vorbeirauschen. Andreas 'Doctor Speed' Imig meißelt seinen Fuß tief in den Asphalt und läßt seinen treuen Opel bei beinahe konstant 180 bis 200 Km/h zu einem wahnsinnigen Feuerball of Death mutieren. Schweiwe und ich sind einigermaßen beeindruckt und fangen nach ein paar Stunden Autofahrt mit dem Öffnen der ersten Hansas an. Noch schön gekühlt schmecken die kleinen, feinen Dosen richtig, richtig lecker. Bei einer Rastpause bahnt sich dann der erste Hammerspruch an. Ich sitze so da und denke an alles, was mich so beim Wacken erwarten wird. Da fällt er mir ein: der Gottstuhl! Also sage ich: "Mannomann, was freue ich mich schon auf meinen Stuhl!" Daraufhin Scheiwe: "Igitt!" Super, wir haben gebrüllt! Diese sprachliche Brillanz, diese unverblümte Schlagfertigkeit! Unbändiges Gelächter folgt, innerlich beginne ich zu applaudieren. Wir können nur noch lachen, und fahren (bzw. Imig fährt) in Harrislee bei Flensburg (da wo Imigs Restfamilie wohnt) erstmal in die falsche Straße. Bei Imigs Eltern angekommen, werden wir äußerst freundlich begrüßt und bekommen von Mama Imig erstmal ein leckeres Flens aus der Plopflasche ausgegeben. Plop, das flenst! Dann zieht es uns noch in die Stadt, die sich aber vor allem aus hochgeklappten Bürgersteigen zusammenzusetzen scheint. Nichts hat mehr auf, und nach einer kurzen bis halblangen Diskussion mit zwei Tussis ist klar, daß Flensburg vom Sprittwoch noch nicht die Bohne gehört hat. Nur ein Laden lockt noch mit leckerem Gebräu: das Kritz, ein Laden für dauerbesoffen-trendige Berufsjugendliche. Was bleibt uns übrig? Also rein da. Nach einem leckeren Weizen gehen wir noch kurz ans Wasser, wo sich ferienhabende Jugendliche die Schädel von den Schultern schütten und fahren dann zum Schlafen nach Imigs.
DonnerstagAm nächsten Tag wird von den Imigs ein vorzügliches Frühstück präsentiert, das ihr Dortmunder Sprößling allerdings nur mit einem unverständlichen, unfreundlichen Murren würdigt. Dann kommt's knüppeldick, Papa Imig zieht einen Ordner mit gaaanz alten Zeitungsartikeln aud einem Schrank, worauf wir ur-ur-uralte Bilder von alten Arnsberger Topbands wie Nothing Sacred und Zmoovy's Cock (aka Die Nils-Michaelis-Band) zu Gesicht bekommen. Klasse! Imig mit Brille, Imig mit langen Haaren, Imig sitzt halb angepisst, halb erheitert am Frühstückstisch. Wir bedanken uns artig für Gastfreundschaft, aber jetzt wird es langsam Zeit: wir müssen zum Wacken! Die Reise geht am Sparmarkt und bei Aldi vorbei, Mama Imig hat nämlich noch Imigs alten Grill vom Dachboden gezaubert, und der braucht jetzt Kohle und Würstchen. Dann kann es aber wirklich losgehen. Wir fahren hauptsächlich über bekloppte Landstraßen mit noch bekloppteren sowie zahlreichen Traktorfahrern und anderen Sackgesichtern drauf, was die Reisezeit nicht gerade verkürzt. Am Wacken angekommen, geht alles flott: Parkaufkleber druff, auf den Campingplatz, Scheiwe ist am Heulen, weil wir ja sooo weit weg vom Festivalgelände wären und besser schon vor 3 Wochen losgefahren wären, aber es soll sich im Gegenteil herausstellen, daß wir einen supercoolen Platz erwischt haben. 'Supercool' ist übrigens zu Scheiwes absoluten Lieblingswort avanciert, er bringt es immer und überall an, fast so oft, wie Imig 'Arsch' bzw. 'Arschloch' sagt. Nachdem wir unsere Schwuli-Liebeshöhle (das Zelt) aufgestellt und uns soweit eingerichtet haben, beschließen wir, Hansknecht und Konsorten zu finden. Ein schwieriger Job, zumal Herr Hansknecht am Telefon die ohnehin ziemlich blöden Buchstabenbezeichnungen der Campingplätze lustig durcheinander würfelt. Erst schreibt er eine SMS, sie wohnten auf C, dann sagt er am Telefon, sie wohnten auf D und am nächsten Tag meint er allen Ernstes, sie würden doch auf G wohnen. Da wir eh relativ orientierungslos sind, lassen wir das und machen uns auf zu Lars und seinen Leuten, wo wir erstmalig unsere geilen Superstühle präsentieren und gemütlich noch ziemlich kalte Hansadosen vernichten. Larsens Campingplatz sieht natürlich schon aus wie Sau. Diverse Leute haben spaßige 'Müllgruben' ausgehoben und halbherzig mit Band abgesperrt, benutzen selbige anscheinend allerdings nur, um sie anzugucken und Leute reinzulocken. Also: Müll überall, mal mehr, mal weniger konzentriert, Zelte und Autos kreuz und quer, durcheinander, dicht an dicht. Das können wir selbst besoffen bald nicht mehr ertragen und machen uns auf zum Festivalgelände, wo irgendein beklopptes Fußballturnier stattfinden soll. Das tut es auch, und wir treffen auch endlich alle Arnsberger und so hier, aber viel witziger ist die Wasserstelle beim Prince Denmark-Stand, wo sich diverse Leute durch steile Aktionen hervortun. Genial sind bereits die diversen Sich-im-Schlamm-Wälzer, die hier Trunkenheit und Nudismus zu einem hübsch anzuschauenden Gerangel vereinen, aber die Wucht in Tüten ist auf jeden Fall ein vollgeschlammter, lederbejackter Supertrottel, der keine Hose, dafür aber einen Socken auf seinem besten Stück trägt und alle Leute, die in der Schlange für das Wasser stehen, mit einem Riemen seiner Lederjacke bzw. mit dem Pimmelsocken verprügelt. Das ist zuviel, und Imig, Arendt und meine Wenigkeit gehen in den Paulaner Biergarten, wo wir uns in der prallen Frühnachmittagssonne ein paar Biere auf das von der Sonne zermarterte Hirn gießen. Das macht uns superknülle und wir haben Spaß. Später stoßen noch Hansknecht und Walter hinzu. Als es gewaltigst anfängt zu pissen, verschwinden wir im nebenan aufgestellten Zelt, wo wir gepeinigt von Sonne und Alkohol beginnen, in abartigster Lautstärke alte Saufhits der Marke Tom Angelripper zu gröhlen. Wahnsinn, schon bald haben wir das halbe Zelt auf unserer Seite und trotz des fiesen Pisswetters herrscht eine grandiose Stimmung. Bald geht uns allerdings das Liedgut aus, doch zur Belohnung erhalten wir von unserem Tischnachbarn ein absolut ekelhaft warmes Flaschenhansa, das wir aber dennoch gierig und dankbar in unsere leeren Gläser schütten. Da ich spätestens jetzt völlig breit war, hüllt sich der Rest leider etwas in Vergessenheit, und ich schmeiße auch sicherlich einiges durcheinander. Aber wir (Imig, Arendt und ich) waren zunächst, während es noch leicht regnete, bei Lars und Sara im Zelt, wo Arendt an die Zeltwand packte, obwohl ihm Lars das doch ausdrücklich verboten hatte. Da reichte es Arendt und er ging weg, wohin, weiß niemand. Imig und ich schnappten uns unsere Stühle und gingen zurück zum Zelt. Auf dem Weg dorthin passierte etwas unerfreuliches: wir trafen das bekloppteste Stück menschlicher Scheiße, das ich jemals unter sovielen netten und freundlichen und partylustigen Metallern gefunden habe. Es war ein knochiger Pissnelkenkackarsch, der keinen Pimmel hatte und stank und scheiße war, er hatte eine fiese Kackglatze und ein beschissenes Kackscheiß-T-Shirt von Metallica an und fühlte sich wie der beschissene Kackmaharadscha von Tadschikistan. Wir wollten nämlich, wie man das so tut, quer über einen Campingplatz gehen, und zwar über einen Hügel, weil wir so schneller zum Ziel gekommen wären. Da kommt Scheißknochi, die alte Kackfickfotze aus seinem Fickscheißzelt gerannt und kackt uns an. Das wär Privatgebiet und er wär geil und würde sich gleich noch von fünftausend versifften Scheißpennern in den Arsch ficken lassen und bräuchte seine verfickte Scheißruhe dabei. Imig war natürlich angepisst und sagte, er würde hier jetzt weitergehen. Dann kam aus dem bekackten Mistmaul von Scheißknochi, der Metalliglatze der verfickteste Scheißspruch aller Zeiten: "Du kannst ja gerne hier weitergehen, aber dann klatsche ich dich weg." Wegklatschen. Was für eine beschissene Nazifickfotzenschwulihomokackdrecksau! Wenn er Privatgebiet haben will, soll er sich am besten irgendeine beschissene Parzelle in irgendeinem verfickten Schrebergarten holen, da darf er dann auch vielleicht mal lernen, wie man, wenn man denn seine private Ruhe haben möchte, so ein Gebiet absperrt und / oder markiert und wie man mit anderen Menschen umzugehen hat. Und Metal ist so ein Verhalten schonmal drei Mal nicht. Er sollte seine kleine verfickte Analfotze lieber auf Kackfestivals wie das Pop am Ring bewegen und da mit seinen schwulen kleinen Raver-Hip-Hop-Arschficker-Arschlöchern feiern, bis der Proktologe kommt. So, puh, ja, ich weiß, gemein, aber solche gehirnlosen Wichser regen mich halt auf. Irgendwann waren wir dann durchnäßt und besoffen am Zelt angelangt, wo wir Alkohol nachtankten und wetterfestere Klamotten anzogen. Dann gingen wir endlich zur ersten Band, und zwar dem Ex-Iron-Maiden-Fronter Blaze. Blaze sieht aus wie ein Werwolf, der sich nicht wieder richtig zurückverwandelt hat, er springt über die Bühne und gibt sein prinzipiell gar nicht mal schlechtes eigenes Songmaterial zum Besten und interpretiert Maiden-Songs wie 'Man on the Edge', die man nicht einmal mit viel Wohlwollen als Klassiker bezeichnen kann. Irgendwie ist die ganze Show Durchschnitt und recht langweilig. Danach haben wir keinen Bock mehr auf Doro und gehen nochmals bei Lars vorbei und dann zum Zelt, um mehr, viel mehr Bier zu trinken und auch mal was zu essen. Dann die große Frage: wo ist denn der Scheiwe? Also während Rose Tattoo spielen, nochmal zurück zum Gelände. Da ist er nicht. Bei Larsens Zelt erfahren wir dann, daß der Herr im Sanitäterzelt sitzt. Wie es dazu kam? Gaaanz lange Geschichte. Während wir durch die Weltgeschichte eierten, muß Monsieur Scheiwe wohl zunächst Langeweile gehabt und sich mit seinem unwiderstehlichen Spruch: "Ich glaub ich hab Schicht, wo muß ich hin?" auf einen Bierwagen geschmuggelt haben. Dort fiel er eine ganze Zeit lang auch nicht auf, bis ihn jemand fragte, wo er denn hingehöre und Scheiwe lachend auf sein Gastarmbändchen zeigte. Er wurde freundlich des Wagens verwiesen (nachdem er quasi alle dreckigen Gläser gespült hatte) und bekam zur Belohnung für so viel Dummheit zwei Freibier. Dann begann Scheiwe damit, den Backstage zu penetrieren, aber die Erfolgsaussichten waren sehr, sehr mager, da man - anders als beispielsweise beim Full Force, wo nur ein Securityhampel vor dem Backstage steht - gleich mehrere Kleiderschränke an strategisch günstigen Positionen positioniert hatte. Durch die erste Sicherheitsebene kam Scheiwe so noch relativ problemlos. Innerhalb versuchte er sich selbst als Security zu tarnen, indem er mit seiner Taschenlampe am Wegesrand auf und ab leuchtete und versuchte, halbwegs wichtig auszuschauen. Sein falsches Spiel wurde aber bald durchschaut und er mußte sich der Inquisition der Security stellen. Hier log sich Scheiwe zurecht, er sei von Century Media und wäre auf dem Weg, sich sein richtiges Armband zu holen. Das kam so glaubhaft rüber, daß einer der Securitys direkt mal den Veranstaltungsleiter holen wollte, doch Scheiwe und der andere Security wiegelten ab, so daß Jens den Backstage zumindest ohne größere Probleme wieder verlassen konnte. Dann ging Jensemann wohl (mittlerweile amtlich abgefüllt) zu Lars' Zelt zurück, wo er bald den Einkaufswagen seiner Träume erblickte. Wie jeder weiß, steckt in einem besoffenen Scheiwe irgendwo ein nüchterner kleiner Indiana Jones, und so läßt er sich desöfteren auf gewagte Stunts ein. So wollte er sich diesmal mit einer geschickten Rolle aus dem Einkaufswagen befreien. Wir erinnern uns: Lars' Zeltplatz war bereits amtlich zugemüllt und hielt so einiges an Glasscherben uns scharfkantigen Metallgegenständen bereit. Und so rollte sich Jens in bester Mister-Tooth-Manier mit den Handflächen zuerst über den zugemüllten Platz, wobei dann wohl seine rechte Handfläche irgendetwas scharfes in der Dunkelheit küsste und er so eine niegelnagelneue Körperöffnung quer über die gesamte Handfläche erhielt. Das sofort herausschießende warme Blut weckte in Lars nicht den Vampir, sondern die besorgte große Schwester, und so zog er unseren kleinen Jens am Händchen quer über den mittlerweile kaum mehr begehbaren Matschplatz zum Sanitätszelt. Hier angekommen (und jetzt wird's erst richtig gut!) wurde er von einem total bekloppten Rote-Kreuz-Typen erstmal an ein viehtränkenmäßiges Wasserstellchen geschickt, um die Wunde zu säubern. Dann saß Scheiwe mit siffender Hand da rum, und obwohl der Bekloppte nicht viel zu tun hatte, ließ er Scheiwe erstmal ein wenig versauern. Das wurde Jens zu bunt und er verlangte medizinische Unterstützung. Als ihm der Bekloppte dann so ungefähr verklickerte, er solle die Schnauze halten, wurde Scheiwe etwas ungehalten und regte sich mit den Worten "Was ist das denn für ein beschissener Service hier?" über den beschissenen Service auf. Da platzte dem Bekloppten die Hutschnur, er zog den immer noch fies vor sich hinblutenden Scheiwe zu sich hoch und schnauzte ihn an, er solle sich gefälligst verpissen, sonst würden er und (der quasi nüchterne und völlig sachlich diskutierende) Lars des Platzes verwiesen. Hallo? Geht's noch? Da sollte sich wohl jemand mal einen anderen Job besorgen. Nachdem die Hand dann schließlich verbunden war, wollte Jens natürlich den Namen des Bekloppten erfahren, doch der stellte auf stur. Wir waren mittlerweile ebenfalls am Zelt angelangt, aus dem Scheiwe wenig später mit einem kruden Verband, wild gestikulierend und zurecht stinksauer auftauchte. Dann klapperten wir erstmal sämtliche Beschwerdestellen ab, bis uns auffiel, daß aus dem Verband immer noch eifrig Blut schwallerte. Also nochmal zurück zum Zelt, wo er dann schlußendlich einen besseren Verband verpaßt bekam, der die Blutung halbwegs stoppte. Nach soviel Action war es an der Zeit, den Tag am Zelt mit einem letzten Bier zu besiegeln. Äuglein zu, Schlafenszeit.
FreitagSo um neun bis zehn Uhr wurde es im Zelt langsam aber sicher unerträglich stickig und warm. Ich fragte ins Zelt nach der Uhrzeit und bekam von Scheiwe, der neben mir ohne ein Anzeichen von Bewegung und mit verschlossenen Augen lag, die Antwort, es sei vier Uhr nachmittags, er habe gerade auf seinem Handy nachgeguckt. Das kam mir schon ein wenig seltsam, vor, woher konnte er das denn wissen? Na egal, Aufstehen nach einer doch recht angenehmen und ruhigen Nacht war angesagt. Das war ein großes Plus unseres etwas abgeschlagenen Platzes: es war so schön ruhig, daß man alle drei Nächte problemlos eine große Mütze Schlaf abkriegen konnte. Wenn ich mich da so mit Schrecken an die verfickte Limp-Bizkit-Bar vom letztjährigen Full Force erinnere... schauder, schauder... Draußen regnete es leicht, aber nicht so schlimm, daß wir nicht hätten grillen können. Scheiwe hatte inzwischen festgestellt, daß er die Uhrzeit im Zelt nur geträumt hatte. Dann stiefelte er los, um sich bei Lars seinen vergessenen Stuhl abzuholen, während Imig und ich den Grill in Schwung brachten. Wenig später war alles in Ordnung: Scheiwe hatte seinen Stuhl zurück, auf dem Grill bruzelten leckere Aldi-Bratwürstchen und das erste Bier (immer noch kühl!) floß unsere Kehlen hinab. Während die Würste also bruzelten, meinte Scheiwe: "Guck mal. Vorsicht, das eine ist schon ein ganz schwarzes Würstchen!", worauf ich antwortete: "Schweiwe, das heißt nicht schwarzes Würstchen, sondern ausländisches Mitbürgerwürstchen!" Für soviel politische Unkorrektheit bekam eich einige Lacher seitens der Herren Imig und Scheiwe. Nach dem Grillen besuchten uns ein zwei Leute aus Dortmund (keine Ahnung, wo die jetzt gerade herkamen), die ich irgendwie aus der Uni bzw. aus dem Spirit kannte. Scheiwe unterhielt sie schon bald mit seiner Geschichte vom 40-Zentimeter-Kackwürstchen ("...und dann habe ich ein Lineal aus der Schublade geholt und nachgemessen...") und anderen fäkalhumoristischen Einlagen, so daß uns die Beiden völlig geschockt und mit Lachtränen in den Augen verließen. Aber nicht ohne von einem der Beiden die fantastastische Geschichte über einen besoffenen Finnen zu hören, der nackt übers Gelände torkelte, dabei minutenlang ein Bockwürstchen an seinem Hoden rieb, um selbiges einer vorbeigehenden Tuse anzubieten. Die dann auch noch genüßlich das Würstchen verspachtelte. In Finnland sind sie halt alle ein bißchen hullu. Für Imig, Scheiwe und mich war es an der Zeit, Körperhygiene und Darmentleerung zu betreiben. Also machten wir uns auf zum Platz I, wo warme Duschen und saubere Klos auf unsere versifften Körper und gefüllten Ärsche warteten. Ganz billig war der Spaß zwar nicht (insgesamt 3 Euro), aber dafür waren wir wieder richtig gestylt. Scheiwe brauchte natürlich wieder etwas länger, aber wir trafen draußen Katja und quatschten, bis der Herr sich eine halbe Stunde nach uns (!) von der Dusche losreißen konnte. Zurück zum Zelt, noch ein Bierchen und so weiter und dann zum Festivalgelände. Es war ja schon wieder vier Uhr (diesmal wirklich)! Wir sahen so einen Großteil der Pretty Maids, die eine wahnsinnig sympathische Rockshow ablieferten, wobei vor allem der Sänger mit einer großartigen Stimme überzeugte und auch der glasklare, druckvolle Gesamtsound faszinierte. Zumindest Scheiwe und mich, New-Metal-Kid Imig konnte mit dem kraftvollen Hardrock der Dänen nix anfangen. Dann guckten wir uns zwei Lieder von Borknagar an, doch die Mischung aus basslosem Schluder-Blackmetal und weinerlichem Wikingergesäusel kam bei mir nicht so richtig an. Egal, ab zum Partyzelt, wo jetzt eigentlich Fleshcrawl auftreten sollten. Leider waren noch Heavenly mit ihrem hodenlosen Rungekreische zugange. Metal der furchtbarsten Sorte. Gequirlte Eunuchenscheiße. Eine typische Band, deren Songs man auf Rock-Hard-CDs immer vorspult. Eine Skip-Tasten-Band. Also zogen wir nochmal ein Ründchen übers Gelände, um dann wenig später Fleschcrawl zu sehen, die einzige Band, die noch dismemberiger ist als Dismember. Das Konzert war mal wieder typisch für Fleshcrawl: solide Show, gute Musik, Scheißsound. Na egal, es hat gerockt. Savatage sehen wir nur aus der Distanz, weil wir nach Fleshcrawl erstmal irgendwo saufen waren. Große Überraschung: wer post und rockt denn da auf der Bühne rum? Ja geil! Jeff Waters von Annihilator! Er verpaßt der Show von Savatage eine schöne Portion Arschtritt, richtig gut. Jetzt müßte mir nur noch die Musik gefallen. Endlich treffen wir auch mal Volker, Ralf und Konsorten wieder. Danach war es Zeit für Dragonlord, das Blackmetal-Projekt von Testamentgitarrist Eric Petersen. Aber auch Dragonlord waren mit einem Kacksound geschlagen, so daß ich selbst das einzige mir bekannte Lied 'Rapture' kaum erkennen konnte. Ansonsten fiel mir nur auf, daß Mr. Petersen sein Lederoutfit auch ruhig eine Nummer größer hätte kaufen können und sich zudem bei den Kreischvocals ganz schön einen abkämpft. Insgesamt eher mäßig. Volker und Ralf flößen mir zwischendurch Zeug ein, das irgendwas mit Blut hieß, aus schwarzen Bechern serviert wurde und nach einem leckeren Wein-irgendwas-Gemisch schmeckte. Danach brauchen wir wiederum eine kleine Auszeit, irgendwie haben weder Scheiwe noch Imig noch ich Bock auf Bruce Dickinson. Also zum Zelt, Alkoholgehalt aufbessern. Pünktlich zu Children of Bodom sind wir aber wieder da. Spätestens jetzt macht sich die dekadente Genialität zweier Bühnen bemerkbar. Da wir in der Mitte stehen, können wir zunächst bewundern, wie die Bodomblagen monstermäßig abrocken, müssen uns dann uns ein winziges Stückchen umdrehen und können wenig später JBO abfeiern. Imig hat aber nicht mehr den Mumm, mitzufeiern. Völlig knülle von Whiskey steht er wankend in der Menge, die Augen nur noch halb geöffnet und meint allen Ernstes, er habe bloß Rückenschmerzen und müsse jetzt ins Bett. Ok, mach gut, wir gröhlen noch kräftig bei JBO mit, was uns im Nachhinein ein hübsches Reibeisenstimmchen verpasst. Danach gucken wir noch die ersten Songs von In Extremo, was uns aber nicht so sehr vom Hocker reißt. Und da auf der Partybühne auch nicht wie angekündigt Candlemass spielen, verpissen wir uns ebenfalls zum Zelt. Draußen vorm Gelände treffen wir noch Marc und Konsorten, wobei Marc eine dicke Lippe riskiert hat, weil er sich über Nacht eine Zahnfleischentzündung zugezogen hat. Autsch! Am Zelt finden wir einen völlig breiten und trotz seiner angeblichen Rückenschmerzen schiefst im Auto liegenden Imig vor, der sich nur viel gutem Zureden ins Bett locken läßt (also in sein eigenes). Gute Nacht, Wacken!
SamstagDer Samstag fängt mal wieder wieder mit brüllend-stickiger Hitze im Zelt an. Also raus da und geschockt (naja, ne halbe Stunde hat's schon gebraucht) feststellen, daß irgendwelche Idioten tatsächlich Imigs alten Bakterienherd, äh, Ranzgrill haben mitgehen lassen! Na egal, viel Spaß beim Grillen, ihr Trottel. Wir haben ja zum Glück noch Jenses getreuen Gaskocher, der uns wenig später leckerste Ravioli warm macht. Der soll allerdings erst später zum Einsatz kommen. Wegen der Hitze beschließen Jens und ich nämlich, uns in den Schatten am Eingang des Campingplatzes zu pflanzen, wobei wir unsere geilen Stühle natürlich (netter Nebeneffekt) einem größeren Publikum präsentieren können. Der erste Begeisterte bleibt stehen und redet über Schottenröcke, Knutschflecken (die bei ihm tatsächlich hammerübel ausfallen) und darüber, daß ihm ja niemand jemals zuhört. Recht hat der Mann. Dann kommt neben vielen Sekundärbewunderern ein völlig versiffter, besoffener Trey-Parker-Verschnitt an, der mich zunächst nur scheel anguckt, dann Scheiwe scheel anguckt, später dasselbe mit Imig macht, als dieser verspätet eintrifft und nur langsam beginnt zu sprechen. Das erste Verständliche geht Richtung "Kippe? Hassunekippe?". Doch langsam erholt sich das Sprachzentrum , und wir erfahren, daß Trey 2 anscheinend in einem schönen Busch genächtigt hat. Wenig später kommen auch ein paar seiner Kumpels vorbei, lachen ihn aus und fragen "Scheiße, wo warst DU denn schon wieder?", lassen ihn aber hilflos sitzen. Und zwar genau da, wo fünf Minuten später ein riesiger Traktor mit gigantischen Reifen um Sackhaaresbreite an ihm vorbeipflügt. Das alles beeindruckt Trey 2 aber überhaupt nicht, solange er von mir und Imig Kippen schnorren kann. Dann kommt auch noch so'n Zottel aus Neheim vorbei, der das ganze Festival noch nicht geschlafen hat und nun zum Zelt wankt, um sich Honigwein zu holen, wovon ich später auch noch ein Schlückchen abbekomme. Lecker! Reformhausmet. Trey 2 hängt eine ganze zeitlang an uns dran, erst als wir wieder zu unserem Zelt gehen, haut er mit dem Ziel, sich so besaufen, daß er nicht mehr geradeaus laufen kann, zu seinen Kumpels ab. Wobei er bereits alles andere als geradeaus läuft. Nun folgt der oben erwähnte Raviolipart, dann haut Scheiwe ab, um Vicious Rumors zu sehen, während Imig und ich zwecks Körperpflege zu Platz I gehen. Nach dem Zähneputzen und Waschen verschlägt es uns zu Hansknecht und Arendt. Arendt hat gestern den Besitzer einer Kaffeebude und seine Tochter so belabert, daß er kurz vor dem Schlafen noch 4 Käffchen umsonst bekommen hat. Auf die Frage, wie er mit soviel Koffein im Kopp schlafen konnte, meint er nur: "Wieso, ich war doch total voll." Auch eine Logik... Dann kommen Scheiwe und Lars vorbei, sichtlich enttäuscht von dem beschissenen Sound bei Vicious Rumors. Wir gehen nochmal zu unserem Zelt und dann zum Festival. Exodus sind angesagt. Leider kenne ich mich mit dem Songmaterial der sympathisch agierenden Thrashlegende nicht so gut aus, so daß der Gig für nicht Exodusfans wie mich leider schnell etwas langatmig wird. Hansknecht, Imig, Arendt und ich gehen erstmal ein lecker Whiskey im White Rabbit Saloon trinken. Pünktlich zu Hypocrisy stehen wir natürlich wieder vor der Bühne. Die steigen mit 'Roswell 47' stark ein, lassen dann aber mit ihrer unglücklichen Songauswahl ebenso stark nach. 'Buried' ist z.B. einer der schwächsten Tracks vom 'Abducted'-Album und neue Songs wie 'Don't judge me' sind schlicht und einfach pißlangweilig. Genau wie die alten Death Metal-Schinken aus der Masse Broberg-Zeit. Naja, live sind sie trotzdem hammergeil und Tägtgrens Schreie bringen schonmal das ein oder andere Trommelfell zum Platzen. Da ich nicht schwul bin, habe ich keine Lust auf fuckin' Edgay und ziehe mir mit den üblichen Verdächtigen lieber noch einen Whiskey rein. Das wird uns zu teuer, und wir gehen nochmal los, um billigen Spritt auf dem Campinggelände nachzutanken, außerdem muß ich kacken. Arendt macht dann noch drei Dinge: einen Superspruch ("Die besten Jacken sind die Cognacen!"), dann bringt er den Superspruch auf Englisch bei einem Deutschen an ("Ey, kannst Du Deutsch?" "Öh, ja?" "The best jackets are the conjackets!!") und dann baut er den ersten Anti-Arendt der neueren Menschheitsgeschichte. Während mir immer alle erzählen, daß er nur volltrunken durch die Gegend wankt und alles mit sich reißt, beteiligt er sich hier an einem Meisterstück. Imig sitzt in seinem Superstuhl, vielleicht 2 Meter vom Kofferraum entfernt. Arendt schmeißt ihm eine Bierdose zu, Hansknecht fälscht leicht ab und - BUMM - das Ding landet zielgenau im Getränkehalter! So muß das sein, davon wollen wir mehr sehen! Dann sind wir leider viel zu spät bei Cannibal Corpse. Leider, weil die Jungs schlicht die Mordlust vor dem Herrn sind, der absolute Knaller! Songs wie 'Stripped, raped and strangled' kommen genauso präzise wie auf Platte rüber, nur noch hundertmal druckvoller und wummsiger. Herrlich, die Menge tobt. Dann kommt der Gehirn- und Ohrenfick des Jahrhunderts: Blind Guardian tingeln gemeinsam mit dem mächtig gut gelaunten Wackenpublikum musikalisch durch ihre Bandgeschichte. Egal, ob Standards wie 'Bard's Song' oder 'Welcome to dying', alte Schätzchen wie 'Valhalla' und 'Majesty' oder neuere Klamotten wie das überlange 'And then there was silence' - die blinden Gardinen haben das Publikum im Griff. Dazu ein wunderschöner Bühnenaufbau, eine erstklassige Lightshow und sogar mal ein paar Pyros. Absolut rund und perfekt, ein Riesenspaß für jung und alt. Danach ein paar Freudentränchen aus dem Auge gewischt und rüber zu Kreator. Und die schaffen es glatt, qualitätsmäßig mit Guardian gleichzuziehen. Guter Sound, eine Bühne, die noch fieser nach versiffter Großstadt aussieht als Altenessen und dazu statisch finster agierende Musiker, die bis auf 'Lost' direkt mal zur Sicherheit alle ihre Klassiker ins Publikum rumpeln. Mille will die mittlerweile müde werdende Menge partout nicht einschlafen lassen und läßt einige coole Ansagen vom Stapel ("Das is doch hier das größte Festival Europas oder so'n Scheiß, da könnt ihr nicht rumpennen!"). Absolutes Highlight: 'Phobia' live, das die schon gute Albumversion in Sachen Aggression und Stimmung locker um das zehnfache toppt! Langsam machen meine Füße Terror, aber egal. Udo Dirkschneider steht auf dem Programm, und der ist eine Legende und die will ich verdammt nochmal sehen. Wahnsinn, wie viele Acceptsongs man als Metalfan kennt, selbst wenn man keine Scheibe von Accept besitzt. Und so kann selbst ein unbedarfter Nichtkuttenträger wie ich Superlieder wie 'Balls to the wall' begeistert mitgröhlen. Keine Frage, Show und Sound sind klasse, und für Stimmung ist angesichts der erstaunlich großen Menge an Fans auch noch gesorgt. Beim drittletzten Lied zerreißt es mich dann aber, ich muß irgendwo sitzen oder liegen, so daß ich 'Fast as a shark' leider nur noch auf dem Heimweg mitbekomme. Ich dachte natürlich, Imig sei fertig und würde am Zelt auf mich warten, aber Pustekuchen. Der Kerl hat zusammen mit Arendt bei Kreator im Moshpit die Kuh fliegen lassen und läßt sich nun von Haggard und Onkel Tom gleichzeitig volldröhnen. Na egal, ich muß pennen, und wenig später kommt auch schon Herr Scheiwe an. Wir unterhalten uns noch ein wenig über das gelungene Festival und wie doof Imig ist, da kommt der auch schon stinkenvoll ins Zelt geknallt und läßt sich nur mit Mühe dazu überreden, sich endlich auszuziehen und zu uns ins Bett zu kommen, hihi. Noch ein bißchen Rumschwulen, dann Augen zu, Nachtgebet, schlafen.
SonntagDas Zusammenpacken und so fällt äußerst unspektakulär aus, aber was soll man da auch schon groß erwarten? Um halb elf verläßt Elvis das Gebäude und wir das Wacken in Richtung Heimat. Es geht über Stock und Stein, eine vollgestopfte A7, diverse Landstraßen und weitere stauige Autobahnen. Scheißferienverkehr! Sämtliche McDonald's südlich von Itzehoe sind voll mit Metallern. Aber egal, die Laune ist bei allen Beteiligten noch recht gut und so erreichen wir satte neun Stunden später halbwegs entspannt Dortmund. Ende, Gelände, eines der schönsten und fabelhaft genialsten Festivals des neuen Milleniums hat sein ruhmreiches Ende gefunden, und wir waren live dabei!
[mg]