Weihnachtszeit, Pichtelzeit! Die Vorlesungen sind vorbei, die Weihnachtseinkäufe haben grenzenlose Aggressionen aufgebaut, jeder hasst jeden. Die perfekte Zeit also, um die Grenzen des Mietrechts auszuloten. Und so schickten wir uns an, auch dieses Jahr mal wieder zu pichteln.
Das Vorspiel:Wie jedes Jahr setzten wir uns ein Pichtel-Limit: 5 Euro, keinen Cent mehr durfte das Geschenk kosten. Nachdem in den letzten Jahren schon so Highlights wie Cornflakes, GEMA-Kulis und 2 kg Frittenfett aufgefahren wurden, lag die Latte bezüglich Alltagstauglichkeit der Präsente diesmal natürlich besonders hoch. Und es ist wirklich unglaublich, was man in Jammerdeutschland heutzutage alles für 5 Euro kriegt! Die neueste Errungenschaft der Dortmunder City heißt "1-Euro-Laden", und davon gibt auf einem 200 Meter langen Straßenstück gleich 5 Stück. An dieser Stelle möchte ich kurz erzählen wie sich Schürmann in einem dieser Läden auf Anhieb unbeliebt gemacht hat. Hat zwar nichts mit der Pichtelaktion zu tun, aber trotzdem: King of Queens-Fans kennen vielleicht die Folge, in der sich Arthur wie ein Kind über seine Einkäufe aus dem 1-Dollar-Laden freut. Um ihn ein wenig aufzuziehen erzählt ihm Doug, dass das natürlich billig sei, aber nicht so billig wie der 99-Cent-Laden. Zurück zu Schürmann. Wir stehen im 1-Euro-Laden an der Kasse und Mr. Witzig fragt tatsächlich die Verkäuferin: "Gibt's hier in der Nähe auch einen 99-Cent-Laden?" Die Frau kannte King of Queens offenbar nicht, fand's nicht witzig und verstand auch erst gar nicht, was der Schürminator von ihr wollte. Ihre Kollegin hatte es verstanden. Und fauchte sofort dezent angepisst los: "99 Cent? Ist 1 Euro noch nicht billig genug, oder was?!" Noch im Rausgehen hörten wir hinter uns ein leise gefluchtes "99 Cent..." und beschlossen, diesen Laden in nächster Zeit erstmal von unserer Anwesenheit zu verschonen. :-) Tolle Geschichte, woll? Jetzt geht's weiter im Hauptplot, dem Pichtel-Sprittokoll. Natürlich konnte ich den Laden angesichts unserer Pichtelei nicht verschonen, besorgte 3 herrliche Romane zum Sammel-Sonderpreis: "Dr. Daniel: Ihr letzter Wunsch - ein Kind", und 2x "Christina", einen Roman "um Liebe, Glück und Leid" und einen "voller Zärtlichkeit". Danach checkte ich das Angebot der anderen 1-Euro-Läden ab. Natürlich führte ich eine Gefahrenabschätzung durch. Was kann man kaufen, was führt mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit zu Personen- und Inventarschäden? Ein Federball-Set war mir sofort suspekt. Ich hatte befürchtet, dass zwei spielbegeisterte Sprittis mir mit den Schlägern nacheinander Mikrowelle, Musikanlage und Fernseher kaputthauen. Tatsächlich reichte ein Spieler: Später mehr zu Lars, dem Innovator der Zimmerbeleuchtung. Desweiteren kaufte ich eine lüttige Abschussvorrichtung für Flugzeuge, eine "Eins, zwei, Polizei"-Modo-CD (komplettes Album!), einen Adventskalender und ein Ü-Ei. Alles zusammen für schlappe 5 Euro, Wahnsinn. Deutschland, es geht bergauf. Was die anderen kauften, wusste ich natürlich noch nicht, lediglich Schürmann meldete zwischendurch "Jahaaa spitze! Mein Geschenk ist so geil, ich würd's am liebsten behalten!". Meine Einkäufe erledigte ich wie immer sehr kurzfristig. Als die anderen schon vor meiner Tür warteten, saß ich noch im Bus Richtung Heimat. Also trafen wir uns an der Haltestelle und holten uns noch einen leckeren Döner.
Aktion Mutante:Los ging's, und der Mob probte direkt den Aufstand. Scheiwe okkupierte meinen Stammplatz, Schürmann den einzigen bequemen Stuhl und Lars, der keinen Döner fraß, musste ich beinahe verhauen, damit er mir am Schreibtisch Platz macht (Ich bin nicht der geschickteste Döner-Esser und brauche daher eine Unterlage, die nicht aus Teppich besteht). Nach einer nur wenige Stunden dauernden Diskussion, welchen Film aus meinem exorbitant kleinen Sortiment man denn nun gucken könnte, entschieden wir uns zunächst für den von Schürmann mitgebrachten Chronicles of Riddick. Das ist eine DVD mit einem komischen Menü, das keiner von uns verstanden hat, auf das dann ein Film folgt, der zu 80% aussieht wie ein Videospiel. Hier und da ein netter Spruch, aber ich würde jetzt nicht sagen: KAUFEN! Nein.
Als der Schinken vorbei war, konnte endlich das Tagwerk verrichtet werden: Pichtelzeit! Wir machten es uns mit einer Weihnachts-CD gemütlich. "Santa Claus is coming to town" von Blümch.. äh.. Jasmin, hatte mir Imig mal geschenkt. Enthält den Radio Edit (3 min), den Remix (2 min) und "Der Traum" (1 min), ein Gedicht! Also eine CD, die sich nach 6 Minuten wiederholt, nach 12 Minuten nervt und nach 18 Minuten scheißenaggressiv macht. Perfekt! Wie pichtelt man? Man schreibt die Namen aller Anwesenden auf kleine Zettel, jeder zieht einen und kriegt dann das Geschenk, das die Person auf dem Zettel gekauft hat. Die Geschenke sind dabei der Spannung wegen mehr oder weniger gut verpackt. Dieses Regelwerk erwies sich diesmal als schwierig, da Schürmann nicht mein Geschenk kriegen durfte, er war nämlich beim Kauf der Modo-CD und der Bergdoktor-Schundromane dabei. Außerdem sollte sich natürlich niemand selber ziehen. So brauchten wir ca. 10 Anläufe, bis alle Geschenke passend verteilt waren. Scheiwe und Hans beschenkten sich gegenseitig. Ich weiß nicht mehr womit, aber ich glaube Scheiwe hatte mal wieder irgendwelche Essensreste ausgegraben und Hans schenkte irgendwas sehr hässliches. Lars bekam meinen bunten Präsent-Korb, der ihn so umhaute, dass die Hälfte der Sachen noch bei mir lagert, weil er die Abholung verweigert. Ich bekam von Schürmann einen... tamtaratam.... Trommelwirbel... AUTOSIMULATOR! Es ist wirklich wahr, ein Gerät, in das man Batterien reinpackt, es einschaltet und das dann einen tierischen Radau macht, weil innen drin ein Motor eine auf einer Rolle aufgedruckte Straße auf den beleuchteten Bildschirm wirft. Kann man schlecht beschreiben, aber man hat drei Gänge, kann lenken, fährt 753 Sachen und kann durch andere Autos durchfahren. Das Gerät heißt Car Cockpit, wer wirklich nähere Recherchen anstellen möchte. Desweiteren erhielt ich die zur Modo-CD (ebenfalls 1 Euro bei Berlet, da hatte ich natürlich gleich zweimal zugeschlagen, für mein Geschenk und für den Hausgebrauch) passende Maxi "Super gut". Wer fehlt noch? Richtig. Schürmann bekam von Lars... oh mein Gott...... Feuerwerkskörper. Also so ein jugendfreies Fun Pack mit lauter kleinen Zissel-Raschel-Zisch-Bumm-Peng-Geräten, die verhängnisvollerweise direkt ausprobiert werden mussten. Los ging's mit harmlosen Pappdosen, die nach ihrer Öffnung lustige bunte Fäden in meiner Wohnung, besonders an der Lampe verteilten. Dann flogen die ersten Böllerchen (Betonung auf "chen") aus dem Fenster, sowie diverse Sachen, die Leuchtspuren und ähnliches Gebritzel in der Luft hinterließen. Vulkane, ab damit auf die Fensterbank! Fenster zu, denn die sind laut und hell und stinken. Großer Spaß, während wir uns permanent mit Blümch... Jasmin und Modo berieseln ließen. Derweil testete Lars das Federball-Set. Er hatte es gerade ausgepackt, da versuchte er auch schon mit dem Federball meine Lampe auszuschalten. Da ich keinen Bock auf eine zersplitterte Glühbirne zu später Stunde hatte, entriss ich ihm den Schläger. Doch da kam ihm schon die nächste Idee: Der MacGyver des Feuerwerks wollte die Flugzeugpistole als Böller-Abschussrampe missbrauchen. Was genau er zunächst basteln wollte war unklar, er fragte aber nach "Schraubenzieher, Nadel, Faden". Er bekam einen Schraubenzieher und ein Gummiband, und nach 5 Minuten war ein Knaller gekonnt um den ersten der 3 Flieger geschnallt. Fenster auf. Flog gut, zog einen netten Schweif hinter sich her und verabschiedete sich anschließend mit einem Knall von dieser Welt. Drei Flieger standen zur Verfügung, von einem dieser Abflüge drehte Scheiwe sogar ein spektakuläres Video mit seinem Handy. Demnächst vielleicht im Downloadbereich, UFO-Forschung auf Sprittwoch.de. Man sieht eine brennende Lunte und anschließend einen leuchtenden Punkt, der irgendwo in die Nacht fliegt. Großes Kino. Schürmann zündete noch eine Fontäne in einer Bierflasche, die natürlich sofort platzte, und erntete für diese Aktion von allen Beteiligten ein verständnisloses "Du Trottel, Randalierer, das hättest du dir aber denken können". Wie sich aber später herausstellen sollte, war diese Flaschenvernichtung noch die friedlichste Aktion des ganzen Abends, aber dazu später mehr in "Das Nachspiel".
Um der immer noch von meiner schmalen DVD-Sammlung enttäuschten Masse doch noch was Besonderes zu bieten, fuhr ich nun die ganz schweren Geschütze auf: meine VHS-Sammlung. Glitzernde Kinderaugen blickten begeistert auf einen Stapel Bud Spencer- / Didi- und Otto-Filme, und entschieden sich schlussendlich für Stora Smog, den Kult-Splatter-Klassiker aus Oeventrop/Sauerland. Zu diesem Meisterwerk gibt's nicht viel zu sagen, wer den Film nicht kennt sollte unbedingt mal in der Videothek seines Vertrauens nachfragen. Geheimtip! Nach diesem Klassiker folgte noch ein Klassiker: "Was nicht passt, wird passend gemacht" mit Oberproll Ralf Richter, dessen einziges ernsthaftes Problem auf'm Bau die fachgerechte Kühlung seiner Kannen ist. Diesen Film guckten wir als illegale Raubkopie am Computer, über die zu dieser Uhrzeit offenbar recht basslastigen Boxen meiner Anlage, doch dazu mehr in "Das Nachspiel". Das Nachspiel kündigte sich mit einem Türbimmeln während des letzten Films an. Ich sah durch meinen Nazi-Stasi-Türspion und sah: niemanden. Bestimmt irgend so ein versoffener Prolet, der gerade den Heimweg antritt und unten wahllos auf die Klingeln gekloppt hat. Als sich der Sprittwoch dann dem Ende neigte, bemerkten wir vor meiner Wohnungstür einen Zettel. Was uns direkt zum nächsten Punkt bringt:
Das Nachspiel:"Morgen gibt es erstmal ne schöne Anzeige im Studentenwerk. Mal sehn wie lange du hier noch wohnst wenn du so weiter machst. Ist ja nicht das erste mal." Pott's Blitz! Also das kam überraschend, denn soo laut fanden wir uns gar nicht, da waren wir schon mal schlimmer, dachten wir. Ich lag goldrichtig mit meiner Vermutung, dass der Brief von meiner neuen Nachbarin stammt, die sich unverständlicherweise vor Wochen schon mal durch Klopfzeichen bemerkbar gemacht hat, als mein vom Weihnachtsmarkt dahingeraffter Bruder nachts um 4 die Onkelz in dreifacher Zimmerlautstärke hören wollte. Wir waren uns einig, das mit dem Zettel war doof. Wir sind doch Nachbarn, hey, da klopft man halt mal an... oder schellt kurz durch... "Macht doch bitte die Musik etwas leiser"... Aber so einen dummen Zettel vor die Tür zu klatschen... unmöglich sowas.
Am nächsten Morgen dann Bestandsaufnahme. Verpackungsmüll und Böllerreste überall. Gestank. Fenster auf und huch, was sind denn das für Schmauchspuren? Siff, Bierflaschen, Flipsreste, ekelhaft. Wir rafften uns irgendwie auf, die Bude wieder "besenrein" zu kriegen, auf einmal klingelt's schon wieder. Und da steht der Hausmeister vor der Tür, *schluck*! Wollte irgendwas von einer Inventarliste bei meinem Einzug wissen, murmelte was von "Ouhhh, sooo lange wohnt der schon hier" und verschwand so mysteriös wie er gekommen war. Mein erster Gedanke: "Puh, der hätte hier nicht eine Minute eher auftauchen dürfen." Mein zweiter: "Was denkt der wohl, wenn er hier zwei total zerzauste, unausgeschlafene Kerle in einer 17m²-Wohnung sieht?" Und mein dritter: "Wieso will der eigentlich eine Inventarliste von mir, ausgerechnet an Tag 1 nach dem miesgelauten Beschwerdebrief?" Also suchte ich am Abend ein klärendes Gespräch, um meiner Nachbarin klarzumachen, dass man doch über alles reden kann, sie hätte ja nur eben was sagen müssen, kurz anklopfen und wir wüssten Bescheid... Tja, aber so wie wir gestern offenbar in den Wald reingeschrien hatten, so schallerte es jetzt zurück. Sie hätte zwischendurch das Gefühl gehabt, mein Fernseher stehe mitten in ihrem Zimmer. Sie habe mehrmals gegen die Wand gebollert, später sogar mit einer Plastikflasche. Wir ham's nicht gehört. Als wir mit dem Feuerwerk loslegten, hätten sich unterhalb unseres Fensters diverse Leute lauthals beschwert, wir sollten mit dem Scheiß aufhören. Auch das haben wir... nicht gehört. Sie betonte noch, dass die Vulkandinger, die wir auf meiner Fensterbank zündeten, einen Höllenlärm gemacht haben. Wir ham's nicht gehört, hatten das Fenster ja aus eben diesem Grund zugemacht. Sie habe daraufhin mehrmals geschellt, doch keiner machte auf, denn, der geneigte Leser kann es sich bereits denken, wir ham's nicht gehört. Daraufhin sei sie so sauer gewesen, dachte sich "was für ein dreistes Arsch, der weder auf Klopfen, Schreie der Nachbarn, noch auf die Türklingel reagiert", dass sie ihren Zorn auf Papier gebannt, vor meine Tür gelegt und geschellt habe. DIE Schelle hab ich gehört, aber da stand sie ja schon nicht mehr vor der Tür, womit ich keinen Anlass zum Handeln sah. Tja, nach dieser aufschlussreichen Erläuterung der Sachlage blieb mir nicht viel mehr übrig, als mich für diesen ziemlich ausgearteten Abend zu entschuldigen und zu geloben, dass so etwas nie wieder vorkommt. Ich wollte noch sowas sagen wie "Falls es doch nochmal lauter wird, einfach anklopfen und...", aber bevor ich das Maul aufreißen konnte war mir klar, wie sinnlos diese Aussage war. Also wünschte ich noch schöne Feiertage und zog wie ein begossener Pudel von dannen. Dabei fragte ich mich auch direkt, ob ich nicht gerade wieder in so ein schmuckes Fettnäpfchen getreten war, von wegen "schöne Feiertage und so". Sie ist nämlich Muslimin, feiern die überhaupt Weihnachten? Oder sowas ähnliches? Integration ist ja so schwierig als versoffener Prolet...
An Silvester hatte ich dann auch direkt eine Einladung vom Studentenwerk im Briefkasten, ich möchte doch bitte mal wegen einer Ruhestörungsbeschwerde vorbeikommen. Ob die jetzt von meiner Nachbarin oder irgendwem anders kam, keine Ahnung. Gab ne kurze Belehrung zum Thema Hausordnung und die Sache war gegessen. Nächster Sprittwoch: NICHT BEI MIR!
[sk]