Während Scheiwe schnell nochmal zum Schwimmen fuhr, nistete sich Herr Kiesler so gegen 21 Uhr bei mir ein, und wir guckten Knight Rider. Leider nur eine halbe Stunde lang, da kam auch schon Scheiwe hoch und hebelte uns aus unseren Sitzen in Tobis Auto, mit dem wir schließlich zu dessen Wohnung fuhren. Dort bemalten Scheiwe und Tiffy unsere Anzüge mit feiner Schrift, die unsere Internetadresse und auf der Rückseite unser Motto offenbarte: "Sprittwoch goes Wal-lalla". Auffällig: Scheiwes erstaunlich feminine Art zu schreiben. Da schlägt wohl die Radlerpisse so langsam aufs genitale Zentrum. Die Anzüge bestanden aus einem absolut nicht atmungsaktiven Zellstoffscheiß, der uns bald alle in wohlig-warme Schweißwolken hüllte. Imig (der Spalter) weigerte sich, den Anzug des Spritts zu tragen, und er lachte nur blöde über unser wahrhaft geniales Outfit. Wenn in ein paar Jahren alle Sprittanzüge tragen, dann ist er sicher an vorderster Front dabei und kommt sich toll vor, aber einen eigenen Trend zu schaffen, hatte der Spalter-Imig keine Lust.
Kiesler schaffte es schon nach 10 Minuten, seinen Sprittanzug, respektive dessen Reißverschluß, kaputt zu kriegen. Erst Saskia konnte nach minutenlanger Fuckelei dem gepeinigten Sprittologen aus der Misere helfen. Wir bekamen schon auf dem Weg zum Platz an der Sonne heftigsten Applaus und aufmunternde Sprüche für unsere gewagte Abendgarderobe. Als wir uns dann erstmal schön verlaufen hatten, kamen wir auch prompt zweimal an den gleichen Gestalten vorbei, die uns (nachdem sie uns gebührend ausgelacht hatten) den Weg erklärten. Im Platz an der Sonne war es proppenvoll - ausgezeichnet, die Missionierung möge beginnen. Der Sprittanzug sorgte für eine locker-religiöse Atmosphäre, in der sich viele potentielle Jünger von den angenehmen Auswirkungen unseres Gottes (Bier) überzeugen ließen. Und schon bald war die Stimmung auf einem Höchstpunkt angelangt. Was eben noch ein überfüllter Laden voller unbespritteter Schlechtgelaunter war, verwandelte sich vor unseren Augen in eine sprittwochkonforme Spaßhölle. Nur Imig (der Spalter) miesepeterte pikiert in sein kleines Bierchen hinein. Er biß sich wohl gerade mental in den Arsch, weil er keinen Sprittanzug trug. Außerdem trafen wir im Platz an der Sonne tatsächlich einen uns unbekannten Sprittwochfan, der vor allem von den Filmreviews begeistert war und uns zudem noch einen weiteren Film empfahl. Was war das denn noch gleich? Bitte nochmal melden!!
Aber auch ansonsten hüllt sich mein Kopf in Dunstschwaden des Vergessens, was aber wohl an der schlechten Luft im Platz an der Sonne gelegen haben muss und nicht etwa am Bier. Jedenfalls wechselten wir den Laden und gingen ins Spirit, das - oh Überraschung - zur Abwechslung völlig überfüllt war. Hier probierten wir unsere Sprittanzüge beim Moschen aus, was leider sehr zur Auflösung selbiger beitrug. Als ich jedenfalls einige Stunden und Biere später mit Mister Kiesler die Heimreise antrat, klaffte ein gewaltiges Loch in meinem Schritt. Tja, mein Reißverschluß geht halt hoch, nicht zu.
Ergänzung kieslerischerseits: Damit sich der interessierte Leser ein Bild von den Anzügen machen kann (konnten wir mangels Fotoapparat leider nicht): Es handelte sich um 3 Euro billige Ganzkörperanzüge für "leichte Malerarbeiten über Kopf". Richtig gelesen: Ganzkörper. Von der ewig ins Auge peitschenden Kapuze, über den beängstigend engen Schritt, bis hin zum Fuß schmückte uns ein leuchtend weißer Einteiler. Zu Tobi's großer Idee, die Schrift mit Textmarker nachzuziehen, damit sie im Schwarzlicht richtig hervorsticht, sag ich jetzt nix mehr. Gelber Textmarker auf weißem Grund, Schwarzlicht, man kann sich ja denken wie toll das geklappt hat. Und die einzige Schnittstelle nach draußen war der fuckelige Reißverschluss vorne, der das Urinieren zu einer qualvollen Herausforderung gestaltete. Derart pfiffig verpackt mussten wir uns unterwegs so originelle Sprüche anhören wie "Ist hier wieder'n Reaktor explodiert?", "Ihr seht ja aus wie Riesenspermien!" oder schlicht und einfach "Frauen stehen aber nicht auf solche Anzüge." Ja Junge, klugscheißen kann ich auch, aber dieses Corporate Design ist nunmal praktisch! Beispiel Spirit: Ich komme von der Theke, Laden rappelvoll, wo sind nur Scheiwe und Gasper? Plötzlich wackeln irgendwo zwischen all den schwarzen Kutten zwei weiße Mützen auf und ab, bingo! Was ist noch passiert? Während Saskia vor einem Kiosk an meinem Reißverschluss rumzerrte (was auch für irritierte Blicke sorgte), kaufte sich Tiffy spontan ein Seifenblasengerät. Kurze Zeit später tanzten an einer belebten Kreuzung 4 fröhliche Sprittologen in ihren lächerlichen Anzügen um die lustig blubbernden Seifenblasen im Kreis und sprangen dabei auf und ab.
Ach ja, hiermit möchte ich mich nochmal ausdrücklich bei dem Kerl entschuldigen, dem ich im Platz an der Sonne ein schönes, großes und vor allem volles Bier auf die Jacke gezaubert habe. Sorry, war an dem Abend irgendwie etwas ungeschickt... :-)
[mg, sk]