Der Abend begann wie immer mit kongenialer Planung. 19 Uhr Treffen vor Igors alter Wohnheimsbude, wo er nicht mehr wohnt, aber wo man bestimmt spitze vor dem Haus grillen kann, notfalls wenn's regnet "zwischen" den Häusern, schwarzer Ruß free for anyone. Anuf von Eisenberg: 19 Uhr schaff ich nicht, also 20 Uhr. Anruf bei Lars: Eisenberg schafft 19 Uhr nicht, also 20 Uhr. Gemecker von Lars: Das ist zu spät, also 19:30 Uhr. Korrektur bei Eisenberg: Lars will um 19:30 Uhr. Eisenberg: OK. Sag Igor Bescheid. Kiesler: Kauft ein. Ist zu spät zuhause. Meldet gegen 19:30 Uhr dem Igor: Hallo, wir kommen doch schon um 19:30, oh es ist schon 19:30, na dann bis 20 Uhr. So, das ist doch schon mal das aufregendste Sprittokoll seit mindestens 6 Monaten, woll? Super.
Ab 20 Uhr wird also der 5-Euro-Kaufland-Grill aufgebaut, Modell "Kann man auch mal auf dem Schlossberg stehenlassen". Verblüffend, was man bei einem Grill, der im Wesentlichen aus zwei Teilen besteht, alles falsch machen kann. So sollte man den Windschutz dranschrauben, _bevor_ man den Grill lichterloh entzündet hat. Außerdem erschließt es sich dem Außenstehenden nicht sofort, warum man erst einen Windschutz montiert, wenn man anschließend den Grill absichtlich so dreht, dass der Wind volle Kacke durch die Kohlen fegt. Nachdem die Kohle, oder sollte ich sagen: die dicken schwarzen Holzscheite, die in einer mit "Holzkohle" beschrifteten Tüte lagen, Feuer gefangen hatte, penetrierten wir gegenseitig unsere Grillmahlzeiten durch erotisches Übereinanderrollen. Dank dieses Tricks gelang es uns tatsächlich, einige Fleischmahlzeiten vor dem unerwartet schnell einsetzenden Gewitterregen zu garen. Sagte ich Gewitterregen? 100 Meter weiter fand übrigens das diesjährige "Sommerfest" der Emil-Figge-Wohnheime statt, herzlichen Glückwunsch! Wir retteten unsere Habseligkeiten unter ein Dach, verbrannten ein paar nutzlose aber wärmende PlastikflaschenplastikkronkorkendieeigentlichkeineKronkorkensind und guckten Lars' Miniwürsten beim Verkohlen zu. Nach seinen Chilifischstäbchen und Eisenbergs Grillkokelkäse hatte komischerweise niemand mehr Hunger, selbst die deppert dreinblickenden Passanten ließen sich keine schwarzkratzige Wurst aufdrängen. Apropos Passanten: Der Hans Meiser Notruf-Award des Abends geht auch an Eisenberg, der vorbeigehende Anwohner geistesgegenwärtig warnte:
Vorsicht, da steht'n Grill!
Den haben sie ja auch bestimmt nicht gesehen, wie er da - hell glühend - in dunkelster Nacht den 1 Meter breiten Weg versperrte. Erwähnte ich schon den Regen? Und den Sturm? Aus Angst, von Anwohnergartenmöbeln erschlagen zu werden, verkrümelten wir uns gegen 23 Uhr zum Sommerfest. "Wir" waren in dem Fall nur noch ich, Lars, Igor und dessen Freundin. Der Rest hatte sich schon verpisst, Skandal. Wir standen ungefähr 5 Minuten auf dem Sommerfest, wunderten uns über die Musik und die kleinen Menschen, dann reichte es uns auch schon.
IQ-Bar wär jetzt nett. Also fuhr Igor uns hin. Am Ziel brummelte Lars dann rum:
Mäh, IQ-Bar... Igor, du fährst jetzt eh nach Germania?
(Germania ist eine Bushaltestelle in Lütgendortmund, keine altdeutsche Großstadt), *zack*, saß ich mit Lars in Lütgendortmund. Direkt neben Igors Behausung lockte eine einladende Kneipe, aus der im Minutentakt dezent ältere Menschen nach draußen quollen und die uns später noch als "Knastikneipe" empfohlen werden solte. Wir gingen instinktiv ein paar Schritte weiter, vorbei an vielen geschlossenen Kneipen, bis wir zum Juwel dieses Abends gelangten: dem "Ritterhelm". Name und Inhalt stehen in keinerlei erkenntlicher Relation zueinander, trotzdem eroberte die Lokalität unser an diesem Abend wahrlich unverwöhntes Herz im Sturm. Die Kneipe punktete auf Anhieb mit Sprüchen wie "Du behandelst alle Kunden scheiße, deshalb ist hier auch nie was los!", was die Aufmerksamkeit direkt auf uns lenkte: "Behandelt er euch auch scheiße?" Das war nach etwa 3 Minuten. Wahrheitsgemäß antworteten wir "Noch geht's", worauf man uns anbot, unsere Goleo-Frisuren einem anwesenden Maler mit beginnender Naturglatze anzupassen, natürlich nur in einem freundschaftlichen, spaßigen Sinne. Zeit für meine erste Jägermeister-Red-Bull-Bestellung des Abends. Ein älteres, aber wertvolles Mitglied unserer Gesellschaft mockierte sich:
Sowas trinkt ihr?
Noch während ich nach einer Rechtfertigung suchte kam die Entschuldigung:
Nee, das war nur'n Spaß, ist schon ok.
Ach so, haha, Rakete. Genug der billigen Scherze, die Stunde des Siegers nahte. Also trotteten Lars und ich, die weltschlechtesten Dart-Spieler, in den Nebenraum, wo der Mob begeistert beobachtete wie wir schon am Einschmeißen des Geldes und der Auswahl des Spieles scheiterten. Dann schmissen wir ein paar Pfeile gen Wurfscheibe und hatten so überraschende Glückstreffer wie zweimal Triple-20 in einem Wurf, was wiederum die Aufmerksamkeit des Nachbartisches erregte. Für einen Moment hielten die uns für sowas wie "gute Spieler", das waren wohl die berühmten 15 Minuten, die angeblich jedem irgendwann mal zuteil werden. Als wir dann zu alter Form aufliefen und Wurf um Wurf in den Sand setzten unterstellten sie uns gar, wir wollten sie locken und dann im nächsten Spiel abzocken. Ja Schürmann, ich sehe deine Zweifel, während du das hier liest. :-) Genug geprollt. Naja, eigentlich nicht. Als der Nachbartisch sich in den anderen Raum zum Flipper verkrümelt hatte folgten wir natürlich, um direkt noch einen am Kicker aufzustreuen. Das erregte leider die Aufmerksamkeit eines weiteren Nachbartisches, der dummerweise tatsächlich kickern konnte. Tja, eine Runde auf uns, was soll's. Anschließend bekriegten sich die beiden anderen Tische im Dart. Dabei erfuhren wir dann auch, dass die hier einen eigenen Dartverein betreiben. Na das wird ja immer bunter: Wir haben echte Profi-Darter beeindruckt, mir schwillt die Brust zum Auerhahn...
Alles hat ein Ende, Wurst, Wurst, Wurst. Gegen 4 verabschiedeten wir uns höflich, während Tisch A und Tisch B noch eine zünftige Klopperei gegeneinander anfingen. Was für ein Abend, was für eine Kneipe! Begeisterung, und der Wunsch, hier demnächst öfter zu dinieren. Doch für heute: Schluss mit Stuss, Sprittokoll ist ja auch langsam voll genug.
[sk]